1 + 1 = 3 – Die Wirklichkeit der 3. Dimension

Die in der hiesigen Ausstellung gezeigten stereo­skopischen Gemälde von Achim Bahr werden mit Prismen angeschaut, die in einem Abstand von etwa drei Metern vor dem […] Bildpaar aufgebaut werden. In anderen Arbeiten wie dem hier in seinen drei Zuständen abgebildeten Immateriellen Schachspiel aus dem Jahr 1981 […] bedient er sich des wohl bekanntesten Verfahrens der Bildtrennung. […]

1 + 1 = 3. Die Wirklichkeit der 3. Dimension in der Stereo­skopie, Museum für Kunst und Kultur­ge­schich­te Goch, 1993

Stereoskopie. Räume – Bilder – Raumbilder

Der Begriff Stereo wird heute fast nur mit HiFi-Tontechnik verbunden. Ursprünglich be­zeichnete das Wort jedoch den Effekt des räumlichen Sehens. Der Künstler Achim Bahr beschäftigt sich seit langem mit diesem Phänomen und seinen physikalischen Voraus­setzungen und genießt auf diesem Gebiet einen inter­nationalen Ruf. Von prakti­kab­len Methoden zur Erzeugung und Wiedergabe räumlicher Bilder be­richtet er in diesem Heft.

Achim Bahr: Stereoskopie. Räume – Bilder – Raum­bilder, Thales Verlag, Essen 1991 (out of print)

Anaglyphs

There are various methods for viewing stereoscopic picture pairs, but by far the most popular one is the use of anaglyphs. Everyone knows the famous 3D-glasses with their typical red and green filters which almost became synonymous with the idea of stereoscopy itself.

Compared to the general fame of anaglyphs, oddly enough many enthusiasts and connoisseurs of three-dimensional pictures have a low opinion of this method. They seem to ignore the fact that just this technique made it possible to show stereo slides and — later on — also stereo movies not only to one single person but to a large audience at the same time.

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Anaglyphen

Von den zahlreichen Methoden, die je zur Betrachtung stereoskopischer Bildpaare ersonnen wurden, hat keine auch nur annähernd eine solche Popularität erlangt, die der des Anaglyphen­verfahrens vergleichbar wäre. Die Farbfilterbrille mit ihren typischen roten und grünen Gläsern oder Folien ist im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit als so genannte »3D-Brille« geradezu gleichbedeutend mit dem Begriff der Stereoskopie selbst geworden.

Um so notwendiger aber scheint nun die Rehabilitierung dieser Technik im Kreis der Freunde und Liebhaber des Raumbildes, die ihr oft ablehnend, wenn nicht mit Verachtung begegnen und dabei vergessen, dass es durch sie überhaupt ermöglicht wurde, stereoskopische Lichtbild- und später auch Filmprojektionen anstatt nur einer erstmals mehreren Personen zur selben Zeit vorzuführen.

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Aspects of Stereoscopy

Countless stories have been handed down to us over the years about artists vying with each other to see who was more successful at playing tricks on the senses. Let us take just one well known example from the many anecdotes:1 the artist Parrhasios observed some sparrows flying in to peck at a bunch of grapes depicted so realistically in a mural painted by his fellow artist Zeuxis. Later he invited Zeuxis into his atelier to show him that he, too, was a master of this art. Once inside Parrhasios’s studio, Zeuxis reached out to draw aside the curtain that was apparently concealing the other’s picture, only to realize that what he thought was a curtain was no curtain at all, but indeed the picture itself. While the skill of one artist had succeeded in tricking the birds, the skill of the other was capable of tricking even a fellow professional. The wealth of evidence, anecdotal or otherwise, testifying to the deceptive effects of pictures on animals and human beings is undeniable; trompe l’oeil curtains achieved great popularity in 17th century art and even in our own times the photorealistic painting of the 70s was a response to the public demand for this kind of optical subtlety considered the highest form of artistic mastery. This style has always sought to emulate nature even in its finest detail and has striven to overcome the distinction between illusion and reality.

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Aspekte der Stereoskopie

Schon aus der Antike sind uns zahlreiche Berichte von Malern überliefert, die darum wetteiferten, wem von ihnen die Sinne zu täuschen besser gelänge. Um aus der umfangreichen Anekdotik1 nur ein berühmtes Beispiel zu erwähnen: Parrhasios beobachtete einst herbeigeflogene Spatzen, die an von Zeuxis gemalten Weintrauben pickten. Daraufhin lud jener diesen in seine Werkstatt, um ihm zu zeigen, dass auch er dergleichen beherrsche; dort angekommen, versuchte Zeuxis einen das Bild des Kollegen verdeckenden Vorhang beiseite zu schieben, der freilich wiederum nur gemalt war: der eine täuschte die Vögel, doch die Kunst des anderen vermochte sogar einen Fachmann zu täuschen. Die Fülle ähnlicher Berichte über solche Wirkung von Bildern auf Tiere und Menschen ist seither schier unübersehbar; trompe l’oeil-Vorhänge waren in der Kunst des 17. Jahr­hunderts sehr beliebt, und noch die photorealistische Malerei unserer siebziger Jahre zehrte vom Verlangen des Publikums nach derlei optischer Raffinesse als höchster künstlerischer Meisterschaft, die in der Nach­ahmung der Natur kulminiert und die Differenz von Schein und Wirklichkeit aufzuheben vermag.

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